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'Die Ikone' von Manfred Räber

'Die Ikone' von Manfred Räber

'Die Ikone' von Manfred Räber

Ausstellung in der Landesbibliothek

Ausstellung 22.08.2013 - 12.10.2013

Manfred Räber man.rae:
MIND THE GAP. Das Leben der Malerin Natalja Fjodorowna
Roman - Zeichnung - Acrylmalerei - Hörstation

Der Plastiker

Foto von Manfred Räber

Manfred Räber bezeichnet sich als Plastiker, weil er sich aller ihm zur Verfügung stehenden Medien bedient. Der Künstler ist 1944 in Posen geboren, in Westfalen aufgewachsen und lebt und arbeitet seit 1972 in Oldenburg.

Im Jahre 1967 begann Manfred Räber ein Kunststudium an der HBK in Braunschweig mit den Schwerpunkten Malerei und Graphik, mit der vordergründigen und letztlich realisierten Option, die Kunsterzieherqualifikation zu erwerben.
Seine "künstlerische Heimat", wurde für mehrere Jahre die Bildhauerklasse von Professor Emil Cimiotti, der ihn nachhaltig beeinflusste. Bis zu seinem 50. Lebensjahr ist Manfred Räber schwerpunktmäßig der plastischen Arbeit mit dem Motiv des menschlichen Körpers treu geblieben.
Seit 2001 arbeitet der Künstler vorrangig in Projekten: Zunächst vollendet er das Projekt "Abschied von der D-Mark" in der Landesbibliothek Oldenburg, dann 2002 "Die Farben der Unterwelt" im Bunker Wilhelmstraße, später Graphik und Ölmalerei in "Sternenstaub" und in "Evolution", beide in der Galerie Art Forum Oldenburg gezeigt.

2005 schrieb Manfred Räber die Autobiographie "kleine Zeitrechnung", welche seine Kindheit auf einem Bauernhof in Westfalen thematisiert und Verknüpfungen mit späteren und aktuellen Ereignissen herstellt. Gleichzeitig entstand das Portfolio "Die hundert Ansichten des Oldenburger Schlosses" - in dieser Ausstellung im Hochparterre der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen. Es folgte 2008 eine unvollendete Reisebeschreibung "Herzsprung", die mit Traumerlebnissen durchsetzt ist. Im Jahre 2010 hatte den Künstler eine erste Reise nach Moskau zu der "textlichen Studie mit Bildern: Galina und Mussorgski" inspiriert, und das ist eine ebenfalls ausgestellte Vorarbeit zum derzeitigen Projekt MIND THE GAP.

Das Projekt MIND THE GAP

Manfred Räber: Mind The Gap

Hierbei handelt es sich um die Biographie der fiktiven Moskauer Künstlerin Natalja Fjodorowna, ein noch unvollendeter Roman mit integrierten Gedichten - in der Ausstellung an ausgewählten Beispielen hörbar gemacht. Manfred Räber kombiniert den Text mit Farbstift-Zeichnungen und Gemälden in Acryl auf Leinwand, die er der Künstlerin zuschreibt.

Die Protagonistin Natalja Fjodorowna wurde 1981 in Moskau geboren und hat als Kind im Komsomol die Sowjetunion positiv erlebt. Seit dem dritten Lebensjahr ist sie mit der Mutter allein aufgewachsen, den Vater trifft sie erst viel später während ihres Aufenthalts in London schicksalhaft wieder. Es gelingt Natalja Fjodorowna, ein Kunststudium in Moskau und St. Petersburg zu absolvieren und erfolgreich abzuschließen. In einem kleinen Freundeskreis arbeitet sie in einem Gemeinschaftsatelier, das ihr einen regen Gedankenaustausch ermöglicht. Für ihren Lebensunterhalt allerdings hat sie eine Arbeit als Gästeführerin für ein Hotel angenommen. In diesem Zusammenhang werden Erzähler und Protagonistin in dem Roman zusammengeführt und der Romanstoff entwickelt. Das Interesse an der Kunst ist vordergründig das gemeinsame Band der fiktiven Partner, während die emotionale Ebene vom Betrachter und Leser selbst geleistet werden kann.

Vorbilder

Foto von Manfred Räber

Der Autor und Künstler Manfred Räber lässt die Protagonistin einen eigenwilligen und konsequenten Weg verfolgen, indem er sie auf einen "Nullpunkt" zurückführt, auf Malewitschs "Schwarzes Quadrat", das sie wie er intensiv studiert hat und mit dem sie bildnerisch experimentiert.
Natalja hat auch ihren Großvater zum Vorbild, von dem sie ein Bild aus den 20er Jahren hütet. Dieses fiktive Werk ihres Großvaters ist in der Ausstellung als real existierendes Gemälde eines Malewitsch-Studenten zu sehen. Natalja hat sogar das Rissmuster am "Schwarzen Quadrat" studiert und ein latent vorhandenes konstruktivistisches Bild rekonstruiert. Die Quadratform oder Rechtecke verwendet sie im Bildaufbau der Gemälde oft flächig wie Kacheln. Das gesamte Bild versieht sie mit Kompositionslinien, die ein gegenständliches Motiv einschließen. Das enge Liniengefüge ermöglicht es ihr, durch das Aneinandersetzen von Farbfeldern eine homogene Farbfläche zu bilden, die ein autonomes Farbbild entstehen lässt. Beim integrierten gegenständlichen Motiv handelt es sich um die Darstellung einer jungen Frau, ein Selbstporträt, selbst wenn nur Körperteile wie z. B. die Beine zu sehen sind oder eine anscheinend Fremde. Bei den mehrfigurigen Bildern stellt sie sich bei der Arbeit als Begleiterin dar oder als Gegenüber in einem Konflikt wie z. B. bei dem Thema der Festnahme von Protestierenden. Hintergründe sind meist nur angedeutet oder rein geometrisch gebildet, zum Teil aber fester Bestandteil wie bei den Bildern "London I" und "London II" oder der "Toilette im Kaufhaus GUM".

Der Erzähler und die Künstlerin

Das Problem, an Informationen über das Leben der Natalja Fjodorowna zu kommen, wird durch den Erzähler unterschiedlich gelöst. Der persönliche Kontakt ist selten und dann auch nur kurz. Anfangs nutzt er die Bilder und Gedichte, welche ihm als Kopien aus einem Päckchen unbekannter Herkunft zur Verfügung stehen, und den Kontakt zu ihrem Freund Juri. Alle Aktivitäten werden durch das Aufnehmen zeitgleicher gesellschaftlicher und politischer Geschehnisse in Ort und Zeit eingebunden, wobei Beweggründe für Handlungen oft im Mysteriösen verbleiben. Das Versetzen des Schauplatzes nach London bringt neue Möglichkeiten der Kommunikation; und das sich entwickelnde eigene Interesse Nataljas an ihrer langsam entstehenden Biographie beflügelt ihre Bereitschaft, sich mitzuteilen. So findet sich schließlich das Kapitel über den Aufenthalt in Spanien als "Selbstzeugnis", das vom Erzähler aus dem Englischen übersetzt und niedergeschrieben wird, und das vorläufig letzte Kapitel, das aus E-Mails besteht, in welchen Natalja ihre künstlerische Tätigkeit fast tagebuchartig beschreibt.

Der Autor und die Künstlerin

Das Malen von Bildern für eine junge Künstlerin aus einem anderen - wenn auch verwandten - Kulturkreis ist für Manfred Räber eine spannende Herausforderung, die ihn in ganz freier Weise auf neue bildnerische Wege führt.

Hier sieht der Autor eine Parallele zu seiner eigenen Aufbruchstimmung, als er 1967 mit Paul Klee und Johannes Itten im Gepäck seinen künstlerischen Anfang wagte.

Die Wahl der Schauplätze entspricht den Vorlieben des Künstlers und Autors; so versetzt er seine Protagonistin z. B. nach Spanien, wo er den Urlaubsort kennt, oder nach London in ihm bekannte Stadtteile, wo u. a. die MIND THE GAP-Bilder dieser Ausstellung entstanden sind. Die Sprachbarriere - Natalja spricht kein Deutsch, der Erzähler kein Russisch - wird in der fiktiven Begegnung über Englisch gelöst. Aber beide haben begonnen, die Sprache des anderen zu lernen, um Kultur und Charakter besser zu verstehen. So ist es auch Bestandteil des Projekts, dass der Künstler sich derzeit um die russische Sprache bemüht.

Eröffnung der Ausstellung

am Donnerstag, dem 22. August 2013 um 19 Uhr
im Vortragsraum der Landesbibliothek

Begrüßung:
Corinna Roeder

Einführung:
Jürgen Weichardt

Hörprobe:
Anastasia Schneider und Manfred Räber

Der Eintritt ist frei.


Informationen:
Michaela Klinkow, M.A.,
Landesbibliothek Oldenburg, 
Tel. (0441) 505018-80,
E-Mail: klinkowat-Zeichenlb-oldenburg.de

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