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Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Einbandillustration mit den Musen der Dichtkunst Erato und Kalliope

Paul Caspar und Gertrud von Kügelgen:
Dichter in der Handschrift.
Graphologische Deutungen zeitgenössischer Dichtwerke.
Hannover: Adolf Sponholtz, 1937.
LandesB.: Lit V 3 166

60 deutschsprachige Autoren und Autorinnen - 60 Handschriften - 60 graphologische Deutungen. "Die Ursprünglichkeit seelischen Erlebens ist in glücklicher Weise vereint mit geistiger Durchdringung der dichterischen Einfälle. Hier wird die Kunst freier schöpferischer Gestaltung und Darstellung gezügelt durch ein stets waches Urteil und durch vernunftgemäße Kritik." Dienen graphologische Analysen wie diese (über den Dichter Gerhart Hauptmann) wirklich der Erhellung der Eigenart einer Schriftstellerpersönlichkeit? Ist die Gestalt der Schriftzüge - Bewegung, Rhythmus, Druck, Individualität der Formen - Ausdruck ihrer Wesenszüge? Kann die Handschrift eines Autors gar etwas beitragen zur Deutung seiner Werke? Faszinierende Fragen, doch überwiegt Skepsis. Als Methode zunehmend umstritten, hat die Graphologie in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren, gilt gar als Pseudowissenschaft. Indessen verleihen die Autorenporträts - professionelle Photographien - und die Handschriftenproben - jeweils ein Ausschnitt aus einem Werkmanuskript in Originalgröße, fast alle in deutscher Kurrentschrift - dem Band einen gewissen graphischen Reiz. Reinschriften oder, mehr noch, stark durchkorrigierte Manuskripte, die übersät sind mit Streichungen und Korrekturen, spiegeln Überarbeitungsprozesse wider und geben so einen Einblick in die Werkstatt der Autoren.

Befremdlich aus heutiger Sicht, aber ein Spiegel der Zeit ist die Auswahl der Porträtierten. Viele, die als Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie im Dritten Reich erfolgreich waren, sind zu Recht vergessen. Andere - wie Ricarda Huch, Ruth Schaumann, Albrecht Schaeffer oder Ernst Wiechert - standen dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber. Jüdische Autoren und Autoren im Exil fehlen. Unter den wenigen Aufgenommenen, die nicht mehr unter den Lebenden weilten, findet man Rainer Maria Rilke und - als Hausautor des Hannoveraner Verlags - Hermann Löns. Das Oldenburger Land ist mit August Hinrichs (1879-1956) vertreten. Abgebildet ist ein Ausschnitt aus einem Bleistiftentwurf seiner Bauernkomödie "Wenn de Hahn kreiht" (in niederdeutscher Sprache). Den Nachlass des Namensgebers der August-Hinrichs-Bühne, als Landesleiter der Reichsschrifttumskammer (ab 1937) heute höchst umstritten, verwahrt die Landesbibliothek Oldenburg. Die Einbandillustration zeigt die Musen der Dichtkunst Erato und Kalliope.

Dr. Jens Stüben

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Stand: 06.01.2015

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