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Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Fotografie von Günther Jansen

Günther Jansen:
Aus vergangenen Tagen. Oldenburg's literarische und gesellschaftliche Zustände während des Zeitraums von 1773 bis 1811.
Oldenburg: Schulze, 1877.

LandesB: 98-6197 und Ge IX B 140

Digitalisierte Ausgabe unter:
http://digital.lb-oldenburg.de/urn/urn:nbn:de:gbv:45:1-3615

Zu den ständigen und intensivsten Benutzern der Großherzoglichen Bibliothek in Oldenburg (der heutigen Landesbibliothek) gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Staatsminister und dann auch Ministerpräsident des Großherzogtums Oldenburg, Gerhard Friedrich Günther Jansen (1831-1914). Er war der Vater der erst kürzlich ins Licht der Forschung getretenen Oldenburger Schriftstellerin Fanny Lewald (1866-1946).
Dem vor allem politisch unermüdlich tätigen leitenden Beamten blieb ganz offensichtlich eine nicht zu knappe Mußezeit übrig, die der hoch gebildete Mann für ein ausgiebiges Literatur- und vor allem Quellenstudium in den wissenschaftlich-kulturellen Bildungseinrichtungen seiner Heimatstadt Oldenburg nutzte. So beschäftigte er sich neben den in der Bibliothek bis heute erhaltenen (und nach wie vor unveröffentlichten) einschlägigen handschriftlichen Materialien (z.B. dem Nachlass von Helfrich Peter Sturz und der Korrespondenz Gerhard Anton von Halems) auch mit ausgewählten Beständen des Großherzoglichen Archivs sowie den Akten der "Literarischen Gesellschaft" (der er seit 1877 auch selber angehörte).

Die Frucht dieser Studien waren einige seit den 1870er Jahren publizierte Arbeiten, die überwiegend der Geschichte Oldenburgs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewidmet sind. Während die Mehrzahl dieser Bücher heute weitestgehend vergessen (und in deutschen Bibliotheken nur noch ganz selten anzutreffen) ist, hat eines von ihnen die Zeiten überlebt: "Aus vergangenen Tagen" (1877 erschienen) bietet eine ganz aus den Quellen gearbeitete, mit präzisen Nachweisen versehene und zudem auch glänzend geschriebene Literatur- und Kulturgeschichte Oldenburgs vom Ende der Dänenzeit 1773 bis zur französischen Okkupation im Jahre 1811. Vor allem im Kontext der in den letzten Jahrzehnten begonnenen Erforschung der nordwestdeutschen Aufklärungsbewegung wird diese Studie nicht selten als Referenzwerk herangezogen. Jansens chronologisch (in 10 Kapiteln) strukturiertes Werk orientiert sich in größeren Teilen an den Lebensläufen seiner Zentralfiguren, allen voran an dem des Beamten, Geschichts-Schreibers und Literaten Gerhard Anton von Halem (1752-1819). Jansens Urteil über Halem, insbesondere die Qualität von dessen poetischem Werk, hat bis heute weitestgehend seine Gültigkeit behalten. Interessant und aufschlussreich ist aber etwa auch Jansens heute fast modern anmutende Beobachtung und Beschreibung einzelner für die Aufklärungszeit typischer Phänomene im sozialen Leben der kleinen Residenzstadt Oldenburg um 1800 (z.B. die Aufnahme eines kleines sommerlichen Badebetriebs im Everstenholz 1788 oder die aufgeklärte Kritik an dem gesellschaftlichen Begrüßungsritual des Hutabnehmers).

Jansen betrachtet die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehende neue deutsche Literatur als unmittelbare Vorstufe der Weimarer Klassik und eine Hinorientierung auf den klassischen Kanon. Diese Sichtweise war in der deutschen Literaturgeschichtsschreibung Konsens bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein. Dass man sie inzwischen als durchaus eigenständige und unter anderen Kriterien zu beurteilende Dichtung sieht, ist eine Erkenntnis, die sich erst allmählich durchzusetzen beginnt. Sie schmälert nicht die Leistung Günther Jansens, der uns mit "Vergangenen Tagen" ein durchaus noch aktuelles und zugleich auch lesenswertes Denkmal seiner Forschungen zur Aufklärungsbewegung in seiner Heimatstadt Oldenburg hinterlassen hat.

Dr. Gabriele Crusius

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Stand: 06.01.2015

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