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Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Engelbert Kaempfer:
Amoenitatum Exoticarum Politico-Physico-Medicarum Fasciculi V, Quibus continentur Variae Relationes, Observationes & Descriptiones Rerum Persicarum & Ulterioris Asiae, multâ attentione, in peregrinationibus per universum Orientem, collectae, ab Auctore Engelberto Kæmpfero, D.
Lemgoviae: Meyerus, 1712.

Landesbibliothek Oldenburg: Ge II 3 B 28

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Zur Michaelismesse 1712, also vor 300 Jahren, erschienen die Amoenitates exoticae des Lemgoer Arztes Engelbert Kaempfer (1651 - 1716). Mit diesem 964 Seiten starken Werk in Quart plante er den Einstieg in die wissenschaftliche Welt Deutschlands, nachdem er zunächst studierend durch Europa gereist und dann zehn Jahre in Asien gewesen war. 1683 erhielt er am schwedischen Hof eine Stelle als Gesandtschaftssekretär. Schweden beabsichtigte, ebenfalls am Orienthandel teilzuhaben und schickte eine Legation nach Persien zu Schah Abbas II. Kaempfer plante jedoch eine große Forschungsreise, die ihn vom Sprungbrett Persien aus nach Indien und China bringen sollte. Aber es kam anders: Die ostindische Handelskompanie der Holländer, als deren Angestellter er diesen Plan verwirklichen wollte, hatte keine Verwendung für ihn, und so kam er schließlich als Faktoreiarzt nach Japan. Hier blieb er von 1690 bis 1692. Im Herbst 1693 kehrte er nach Holland zurück. Was er nicht in China leisten konnte, gelang ihm für Japan: Sein großes Werk "Heutiges Japan. In einer zwiefachen Hoff Reise durchgeschauet und beschrieben etc." wurde erst nach seinem Tod gedruckt und ins Englische, Französische, Niederländische und Russische übersetzt - es revolutionierte die Kenntnis Europas von dem praktisch unbekannten Inselreich und blieb bis ins 19. Jahrhundert das Standardwerk für japanische Landeskunde und Kultur.

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Die Amoenitates Exoticae enthalten in fünf Büchern Darstellungen des persischen Hofes, persischer Kultur, der Botanik und Kultivierung der Dattelpalme sowie verschiedene naturkundliche und "ethnologische" Beobachtungen und schließlich eine japanische Pflanzenkunde, die alles Bisherige in den Schatten stellte. Insgesamt ist dieses Werk durch eigene Beobachtungen ("autopsia") und in kritischer Auseinandersetzung mit der gelehrten Literatur entstanden, es korrigiert viele vorherrschende falsche Auffassungen und ist durchweg innovativ. Darüber hinaus sind die Amoenitates in einem glänzenden, aber äußerst schwierigen Latein geschrieben, mit dem der Späthumanist zusätzlich beeindrucken wollte.

Kaempfer kann, wie aus noch nicht lange bekannten Dokumenten hervorgeht, als ein Forschungsreisender gesehen werden, der die Methoden Alexander von Humboldts vorwegnahm. Die Genauigkeit seiner Darstellungen und die Vorurteilslosigkeit seines Blicks haben ihm den wissenschaftlichen Nachruhm gesichert. Die Amoenitates öffneten Kaempfer leider nicht den Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere. Er starb nach einer unglücklichen Ehe und als Hofarzt des lippischen Grafen Adolph, ohne seine vielen wissenschaftlichen Pläne verwirklicht zu haben.

 

Detlef Haberland
Weiterführender Link zur Amoenitates exoticae
Zum Wikipediaeintrag über Engelbert Kämpfer

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Stand: 06.01.2015

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