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Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Kurze Geschichte des Franz Schneider Verlages

Abbildung des Titelblatts von Andersens Hausmärchen

Die Anfänge des Verlages begannen in der Politik. Franz Schneider (1875-1946) traf den liberalen Politiker Friedrich Naumann und übernahm die Leitung dessen Verlages "Die Hilfe". 1913 machte er sich selbständig. Er verlegte zwar weiterhin historische, politische und philosophische Bücher (z. B. von Ludwig Marcuse), blieb aber seiner Liebe für Kinderbücher treu.
Eine seiner ersten Kinderbuch-Autorinnen war Sophie Reinheimer, deren Bücher sofort ein großes Publikum erreichten. Auch der Franz Schneider Verlag setzte auf den neuen Trend der Kinderbuchliteratur, nicht mehr nur phantastische Geschichten zu verlegen, sondern die Handlungen in realistischer Form zu gestalten, in denen Kinder eine wichtige Rolle spielten. Ein gutes Beispiel dafür sind die "Nesthäkchen"-Bücher der jüdischen Autorin Else Ury, die ab 1918 in Meidinger's Jugendschriften-Verlag erschienen und deutschlandweit einen großen Erfolg hatten.
1927 übersiedelte der Verlag nach Leipzig, 1936 wieder nach Berlin. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte auch der Franz Schneider Verlag sein Programm. Zunehmend häufiger finden sich jetzt politisch eindeutig klassifizierbare Titel im Programm. Da Franz Schneiders Frau Luise "in den letzten Kriegsjahren größere Mengen Akten in die Altpapiersammlung der Schulen gegeben" hatte (so der Prospekt des Verlages zum 100. Geburtstag), ist es schwierig, sein Verhältnis zum Nationalsozialismus präzise nachzuvollziehen, wie dies bei anderen Verlagen (so etwa dem Paul Zsolnay Verlag in Wien oder dem Claassen Verlag in Hamburg) möglich ist. 1944 wurde das Verlagsgebäude in Berlin zerstört, Ausweichquartier wurde Wittenberg.
1947 ging der Sohn Franz Schneiders, Franz-Joachim Schneider (1925-2008), mit dem Verlag in den Westen. 1948 erhielt er eine Verlagslizenz und schon ab 1949 wurden jährlich 300.000 Bücher verkauft. Viele Autoren mit klarer nationalsozialistischer Ausrichtung blieben dem Verlag jedoch erhalten und publizierten weiter Jugendbücher - nun allerdings ohne die politische Tendenz. Auch diese verlagshistorische Tatsache verdiente, noch genauer untersucht zu werden. Abbildung eines Titelblatts>
1953 übersiedelte der Verlag nach München-Schwabing, wo er bis 1994 blieb. Zu den bisherigen Hausautoren kamen neue Schriftsteller hinzu, die ebenfalls ein großes Publikum erreichten: Der Schriftsteller und Kabarettist Oliver Hassenkamp etwa startete die Serie "Burg Schreckenstein", Rolf Ulrici veröffentlichte 1954 den ersten "Käpt'n Konny"-Band. Marie Louise Fischer, die schon als Unterhaltungsschriftstellerin erfolgreich war, publizierte mehr als 70 Mädchenbücher bei Franz Schneider. Auch die englische Erfolgsschriftstellerin Enid Blyton konnte für den Verlag gewonnen werden; ab 1963 erschien ihre erfolgreiche Internats-Serie "St. Clare's" unter dem Titel "Hanni und Nanni". Die Ereignisse in dem Internat wurden den Mädchen der entsprechenden Altersklasse so gern gelesen, dass sie nach dem Tod der Autorin fortgeschrieben wurden und bis heute 27 Bände und acht Sonderbände erschienen sind. Die deutsche Reihe erreichte Millionenauflagen und wurde auch erfolgreich verfilmt.
Bis heute werden neue Themen und Serien kreiiert, denn der Verlag reagiert sofort auf die gesellschaftlichen und mentalen Wandlungen. So startete der österreichische TV-Moderator und Kinderbuchautor Thomas C. Brezina die interaktive Serie "Ein Fall für dich und das Tiger-Team", die heute mehr als 60 Bücher umfasst und sich weltweit mehr als 20 Millionen Mal verkauft hat. Eine eigene Serie mit Titeln zur Vorschulpädagogik, Bilderbücher sowie Kassetten und CDs ergänzten das Programm im Hinblick auf die verschiedenen Leserschichten und Lese- und Hörgewohnheiten.
Anfang 2004 wurde der Franz Schneider Verlag von den Egmont Verlagsgesellschaften übernommen und zog später nach Köln um. Das Label "Schneider-Buch"blieb jedoch erhalten, auch wenn Aufmachung und Themen in stetem Wandel begriffen sind.

Detlef Haberland

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Stand: 08.10.2015

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