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Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Gerade noch mal gut gegangen?

Buch mit Durchschuss

1834 teilte der ehemalige und und später erneute preußische Kriegsminister und Armeereformer Leopold Hermann Ludwig von Boyen (1771-1848) "Erinnerungen aus dem Leben des Königlich preußischen General-Lieutenants Freiherrn von Günther", Johann Heinrich Günther, 1797 in den Freiherrnstand erhoben, mit, dessen Adjutant er während des Feldzuges in Polen 1794 bis 1796 gewesen war.

Doch hebt nicht sein Inhalt dieses Buch aus seinen 850.000 gedruckten Genossen im Bestand der Landesbibliothek heraus, sondern vielmehr dessen partieller Verlust.

Es ist das Loch, das diesen Band besonders macht.

Zwar gibt es kriegsversehrte Leidensgenossen, wie unten gestapelt, allein Ihnen fehlt die Attraktivität der "Erinnerungen",

der glatte Durchschuss eines Bombensplitters.

Das lag nicht daran, dass der Band unter der Lektüre im Schützengraben zu leiden hatte, vielmehr sollte er der Offiziersbildung in Friedenszeiten dienen, und das als Bestandteil der

Großherzoglichen Militärbibliothek,

die die Ausbildung in der "Militair-Schule" für oldenburgische Truppen seit 1815 begleitete und vom Übergang des gesamten oldenburgischen Militärs an Preußen mit der Militärkonvention 1867 eigens ausgenommen war, danach also einzige noch echte, 1918 gut 10.000 Bände starke Traditionseinheit des altoldenburgischen Militärs blieb, die nun in der Residenz stationierten preußischen Truppen als Garnisonsbibliothek diente.

Als deren Herrlichkeit 1918 endete, verweigerte die Landesbibliothek zunächst die Übernahme der Sammlung, weil Mangel an Stellraum und Personal dem "bis fast zur Unmöglichkeit" entgegenstanden, stellte die verschließbaren Bücherschränke aber schließlich 1923, als ihre Abschiebung in den Speicher eines Schulgebäudes drohte, als "kleineres Übel" im Treppenhaus des Bibliotheksgebäudes am Damm, dem heutigen Museum Natur und Mensch, auf.

Dort traf sie vor 70 Jahren, am 22. September 1943, zum Glück nicht direkt eine neben der Bibliothek niedergehende

alliierte Sprengstoffbombe,

wohl aber deren Folgen, eher Verschmutzung und Beschädigung als Verlust.

Kriegsversehrte Bücher

Und so sah es danach in der Landesbibliothek aus:

"Der enorme Luftdruck, der in dem Gebäude sich voll auswirken konnte, hat die Innenwände z. T. eingerissen und alle Bücherborten umgestürzt, sodaß die Bücher in eine heillose Unordnung gerieten und vielfach, wo nicht zerstört, so doch arg beschädigt wurden. Wo die Fußböden noch heil geblieben waren, bedeckten die herabgestürzten Bücher z. T. meterhoch den Boden, wo sie aber zerstört waren, das waren die Bücher durch die Decke hindurch in die unteren Stockwerke oder Keller gefallen, auch vielfach zwischen den Balken, Brettern u. Mauerteilen hängengeblieben. Darüber lagen dann die Trümmer des Daches und endloser Mauerschutt, alles heillos durcheinander. Das offene, z. T. zertrümmerte Dach ließ den Regen vollkommen hereinströmen."
Undatierter Bericht des Bibliotheksdirektors Wagenschein.

Die Verluste sind nie genau beziffert worden, geschätzt werden 8-10.000 Bände.

Dr. Klaus-Peter Müller


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Stand: 08.10.2015

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