Tastaturbefehle zur Navigation:
Kopfzeilenillustration
Logo der Landesbibliothek Oldenburg Logo der Landesbibliothek Oldenburg Slogan der LBO: Wir geben Wissen weiter
 

Oldenburgische Bibliotheksgesellschaft
"Buch des Monats"

Vor 100 Jahren:
100 jähriges Schlossgartenjubiläum

Im Jahre 1814 wurde der Schlossgarten von Herzog Peter Friedrich Ludwig eröffnet. 100 Jahre später wurde das Ereignis in deutlich kleinerem Rahmen als heuer, immerhin aber mit einer Ausstellung und zwei Feiern begangen, in der Verläufen der Großherzogliche Oberkammerherr Freiherr von Bothmer vermutlich identische Reden hielt, zum einen für das großherzogliche Haus, zum anderen für die Beamten und Arbeiter des Schlossgartens.

In der in Oldenburg erschienenen Zeitung "Nachrichten für Stadt und Land" vom 2.4.1914 wurde die Jubiläumsfeier folgendermaßen beschrieben:

"Eine einfache, aber sehr eindrucksvolle Feier fand am gestrigen Tage statt. Um 10 Uhr vormittags erschienen im Pavillon, von wo aus der Herzog Peter Friedrich Ludwig die ersten Arbeiten der Schloßgartenanlage leitete, und wo die Erinnerungsausstellung inmitten eines Blumenhains zusammengestellt war, der Großherzog, der Erbgroßherzog und die Prinzessinnen Ingeborg und Altburg. Oberkammerherr Frhr. v. Bothmer begrüßte die Herrschaften, gab einen Rückblick auf die Entwickelung des Schloßgartens von 1814 - 1914, knüpfte daran den Dank für die stete Förderung des Schloßgartens seitens unseres Fürstenhauses und ein ehrendes Gedenken derjenigen, die als Beamte oder Arbeiter in treuer Pflichterfüllung im Dienst gestanden [haben, WH]. Nach einer eingehenden Besichtigung der ausgestellten Pläne, Zeichnungen und dergleichen begaben sich die Herrschaften nach dem sogenannten Charlottensitz an der Hunte, wo sowohl der Großherzog und Erbgroßherzog, als auch die beiden Prinzessinnen je eine deutsche Eiche als Erinnerungsbäume eigenhändig pflanzten.
Um 11.30 Uhr versammelten sich die Beamten und Arbeiter des Schloßgartens vor dem Pavillon, wobei Frhr. v. Bothmer wiederum einen Rückblick auf das letzte Jahrhundert im Schloßgarten in Bezug auf die dort vorgenommenen, teils recht bedeutsamen Arbeiten gab, ferner derjenigen gedachte, die treu dem Schloßgarten gedient hatten, deren Erinnerung durch das, was sie dort geschaffen, über das Grab hinaus besteht. Er ermunterte alle, weiter ihrem Beispiel zu folgen, unbeirrt durch Einflüsse jener unruhigen und unzufriedenen Elemente, die niemals den Frieden des Schloßgartens stören dürfen. Hierauf folgte die Bekanntgabe der Großh[erzoglichen] Auszeichnungen, wonach Hofgärtner Immel zum Hofgarteninspektor ernannte wurde und der Gartenaufseher Hinrichs das Ehrenkreuz 3. Klasse erhielt. Mit einem Hoch auf das Großh[erzogliche] Haus endete die Feier. Alle Angehörigen und Arbeiter des Schloßgartens hatten einen freien Tag (mit Lohn) und erhielten ferner zu Mittag eine Flasche Wein, sowie hübsche, vom Hoflieferanten Fischer angefertigte Erinnerungsblätter und eine Zusammenstellung der wichtigsten Daten der Entwickelung des Schloßgartens. Herr Fischer hat von sämtlichen Vorgängen gleichfalls photographische Aufnahmen gemacht."
(Abschrift des Textes von Wolfgang Henniger)

Wie die der Veranstaltungen ist auch die Liste der Veröffentlichungen kleiner: zum Fest ist eine schmale Schrift erschienen:
Der Großherzogliche Schloßgarten zu Oldenburg 1814 - 1914.
Oldenburg Littmann 1914,
worin die "hauptsächlisten Daten" der ersten hundert Jahre gelistet sind. Der Sammelband, der die Jubiläumsschrift enthält, stammt aus dem Besitz des Heimathistorikers Fritz Strahlmann und enthält noch manch andere Preziose, etwa eine Replik auf das Kernstück einer der letzten Ausstellungen in der Landesbibliothek: O, ihr Gnädigen! Charakterstudien aus der Damenwelt als Entgegnung auf "Unsre lieben Lieutenants". Von einem Lieutenant. Leipzig 1890.
Signatur: GE IX B 28 D 1

Die Photographien in der Ausstellungsvitrine zeigen den Großherzog, seine Töchter und das Gartenpersonal vor dem Pavillon im Blumengarten, in dem die ersten hundert Jahre des Schlossgartens ausgestellt wurden. Zwar war es, nachdem die Oldenburger schon im Jahr zuvor "das kunstvoll als Teppichbeet ausgeführte oldenburgische Wappen im Blumengarten" hatten bewundern können, auch schon 1914 "ein glücklicher Gedanke, nunmehr in dem Pavillon des Blumengartens durch eine Ausstellung den Werdegang des Gartens vorzuführen und gleichzeitig den Männern, die den Schloßgarten geschaffen [haben, WH], den Zoll wohlverdienten Dankes abzutragen", wie die oben genannten "Nachrichten für Stadt und Land" befanden, doch bleibt uns der Blick in den Pavillon verwehrt. Die "Nachrichten" ersetzen die mangelnde Optik, indem sie unsere Phantasie literarisch anregen:

"Aber betreten wir den Raum. Inmitten grüner Pflanzen und farbiger Blumen grüßen uns die Büsten der oldenburgischen Fürsten aus dem letzten Jahrhundert. Im Hintergrunde Herzog Peter und Paul Friedrich August, vornlinks unser jetziger Großherzog, ihm gegenüber sein Vater Nikolaus Friedrich Peter [...] Eine größere Zahl von ausgehängten Karten und Plänen zeigt das alte Gelände des Schloßgartens und seine allmähliche Ausgestaltung. Photographien und Zeichnungen halten einzelne Partien im Bilde fest. Da sehen wir die Wellingtonia in ihrer früheren stolzen Gestalt und dann denselben Baum, den oberen Stamm vom Blitze zersplittert. Da schauen wir Abbildungen der kunstvollen Teppichbeete, die einst unser Auge erfreuten, da zeigt sich uns im Bilde der "reservierte Garten", wir sehen die Arbeiter malerisch um den Stamm der gefällten großen Pappel beim "Elisabeth-Anna-Palais" gruppiert und schauen auf großen Photographien den Schloßplatz mit den Anlagen, wie die gefangenen Franzosen sie dort zuerst ausführten, die Männer, die im Dienste naturliebender und kunstverständiger Fürsten diese Anlagen schufen, sie vervollständigten und ihre Entwickelung liebevoll überwachten, blicken im Bilde auf uns hernieder: der Hofgarteninspektor Bosse, der 1814 als Hofgärtner angestellt wurde, und der Hofgartendirektor Ohrt, der 1856 an Bosses Stelle trat. Beide haben sich auch schriftstellerisch um den Garten verdient gemacht [...] Heinrich Ohrt faßte in seiner bekannten Schrift "Die Großherzoglichen Gärten und Parkanlagen in Oldenburg" alle Nachrichten über den Schloßgarten zusammen."
Er tat das 1890. Signatur: GE IX B 424.
Sein Buch können Sie auch im eigenen Heim digital betrachten.

Dr. Klaus-Peter Müller


Pfeil nach oben

Stand: 08.10.2015

Valid HTML 4.01 Transitional (externer Link)

Landesbibliothek Oldenburg | Portal Niedersachsen (externer Link)