Mittwoch 25. April 2012
Lesung:
Stefan Kilian, Die Internatler. Lange Schatten des Schweigens
Michael fährt an einem schönen Sommertag zu einer Konferenz in sein altehrwürdiges Internat, in dem er viele Jahre bis zum Abitur gelebt hat. Noch einmal wohnt er, nach über zwanzig Jahren, in seinem alten Zimmer auf dem Goethegang.
In der darauf folgenden Nacht durchlebt Michael in seinen Erinnerungen ein Gefühlslabyrinth von Enttäuschungen, Hass und wahrer Freundschaft. Nie wird er vergessen, was der Direktor mit seinen Neigungen angerichtet hat.
Warum aber kam sein Freund Andre ums Leben?
Donnerstag, 21. Juni 2012
Lesung:
Dr. Jörg W. Rademacher: Gefangen zwischen Kunst und Moral:
Oscar Wilde (1854-1900), ein Wortwerker zwischen Zensur und Selbstzensur
Oscar Fingal O’fflahertie Wills Wilde hat als Journalist gearbeitet, Gedichte, Märchen und Essays veröffentlicht, als ihn 1889 das Angebot erreicht, einen Roman für die amerikanische Zeitschrift Lippincott's Monthly Magazine zu verfassen. Seit 1887 erscheint dort monatlich ein Kurzroman. Wilde sagt zu. Als er im April 1890 endlich das Typoskript nach Philadelphia sendet, beginnt eine Geschichte, die bislang nur wenigen Forschern vertraut ist.
Weithin bekannt ist Wildes Aufstieg zum berühmtesten Dandy und Komödienautor seiner Zeit, der bis ins Jahr 1895 anhält. Wer sich auch mit seinem Fall befaßt, dem fällt auf, daß die öffentlichen Reaktionen auf die Erstausgabe des Romans die Presseberichte, die im Frühjahr 1895 erscheinen, vorwegnehmen. Jedes Mal wird Wilde als unmoralischer Autor verunglimpft. Der Unterschied besteht darin, daß er 1890 "nur" ein Buch veröffentlicht hat mit tendenziell homoerotischen Anspielungen. Fünf Jahre darauf wird ihm vor Gericht erfolgreich vorgeworfen, er posiere als «Sodomit». Der Anwalt der Gegenpartei nutzt dabei die Unterschiede im Wortlaut zwischen der Erstausgabe von The Picture of Dorian Gray und dessen Buchausgabe von 1891, um von "Säuberungen" des Textes zu sprechen.
Tatsächlich haben Wilde und eine ganze Gruppe amerikanischer Lektoren schon vor der Erstveröffentlichung an zahlreichen Stellen Selbstzensur und Zensur praktiziert. Anhand ausgewählter Beispiele illustriert Rademacher diesen so spannenden wie folgenreichen Prozeß.
Jörg W. Rademacher promovierte 1993 mit einer Arbeit zu James Joyce. Seit 2002 Gymnasiallehrer in Nordwestdeutschland, hat er Biographien zu Victor Hugo, Oscar Wilde und James Joyce publiziert und Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Seine Ausgabe von Das Bildnis des Dorian Gray. Der unzensierte Wortlaut des Skandalromans ist im Elsinor Verlag, Coesfeld, erschienen.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Lesung:
Dr. Rolf Geffken, Seeleute vor Gericht
Jeder kennt den Satz "Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand". Kaum jemand vermag die Richtigkeit dieser Erkenntnis so sehr zu bestätigen wie der Seemann, der nach seinem Aufenthalt auf hoher See nun auch noch in das Netz von Justitia gerät. Der Autor Rolf Geffken war viele Jahre von Hamburg aus als "Seeleuteanwalt" aktiv und skizziert mit seinen eindrucksvollen Erzählungen in diesem Buch zugleich ein Stück lange verdrängter deutscher Schifffahrtsgeschichte. "Seeleute vor Gericht" spielt u.a. auch in Oldenburg, jedenfalls bei einem Oldenburger Richter in Brake.
Die Website "binnenschiffbuch" schrieb zum Buch:
"Titel und Beschreibung hören sich trocken an. Gerichtsverfahren, wozu sollte ich das lesen wollen? Doch bevor Geffken gemeinsam mit den Seeleuten das "Gericht betritt", schildert er jeweils ausführlich und eindringlich die Situation auf See. So entsteht ein deutliches Bild der Arbeitssituation auf den Schiffen, der Mentalität der 80er Jahre sowohl auf den Schiffen als auch in den Reedereibüros und deutschen Gerichten. Spannend zu lesen!"
Rolf Geffken schloss 1978 an der Universität Bremen seine Doktorarbeit über das "Streikrecht der Seeleute" ab, war 1985 Gutachter beim Verkehrsausschuss des Bundestages zum "Internationalen Seeschifffahrtsregister" und legte in 3 Auflagen eine alternative Geschichte der Seeschifffahrt unter dem Titel "Jammer & Wind" vor. Er ist als Lehrbeauftragter für Chinesisches Recht am Juristischen Seminar der Carl von Ossietzky Universität verbunden.
Donnerstag, 22. November 2012
Vortrag:
Prof. Dr.Wolfgang Adam: "Die Stimme der Bücher"
Bibliotheksgeschichte und Frühneuzeitforschung. Bilanz und Perspektiven am Beispiel des Nachlaßverzeichnisses von Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen.
Im Zentrum des Vortrags steht die Bibliothek des Fürsten Ludwig von Anhalt Köthen (1579-1650). Die Büchersammlung des Gründers der Fruchtbringenden Gesellschaft besteht nicht mehr, ihre Bestände sind durch ein Nachlaßverzeichnis dokumentiert, das sich im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abt. Dessau befindet. Die Institution der Bibliothek hat für den Frühneuzeitforscher den Rang eines Laboratoriums. Die Analyse des adligen Buchbesitzes zeigt generelle Perspektiven für eine interdisziplinär arbeitende kulturhistorische Forschung auf.
Prof. Dr. Wolfgang Adam studierte Germanistik, Geschichte und Klassische Archäologie in Mannheim und Heidelberg. An der Universität Wuppertal schloss er seine Promotion ab mit einer Arbeit über "Die wandelunge. Studien zum Jahreszeitentopos in der mittelhochdeutschen Literatur" (1979). Seine Habilitation befasste sich vor allem mit Gelegenheitsschrifttum: Poetische und Kritische Wälder. Untersuchungen zu Geschichte und Formen des Schreibens 'bei Gelegenheit'(1988). An der Universität Osnabrück hat Prof. Adam den Lehrstuhl für Deutsche Literatur der Frühen Neuzeit im europäischen Kontext inne und ist im Vorstand des Interdisziplinären Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit tätig.
Alle Veranstaltungen finden in der Regel jeweils um 19.00 Uhr in der Landesbibliothek Oldenburg, Pferdemarkt 15, statt.
Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen:
PD Dr. Rita Schlusemann,
Vorsitzende der Oldenburgischen Bibliotheksgesellschaft
Institut für Germanistik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg,
Tel. 0441 / 7984576
rita.schlusemann@uni-oldenburg.de
Geschäftsstelle der
Oldenburgischen Bibliotheksgesellschaft
c/o Landesbibliothek Oldenburg
Postfach 3480
26024 Oldenburg
Tel. 0441 / 7992800 Fax: 0441 / 7992865