: zugleich ein Beitrag zu der Theorie von der ökonomischen Landschaft / von Helene Ramsauer. - Marburg, 1929. - X, 63 Seiten : Karten ; 8°
LBO: GE IX A 676 B
Regionalbuch des Monats Januar 2026
Oldenburgs erste Professorin: Helene Ramsauer
Der Name Ramsauer begegnet all denen, die sich mit der Geschichte unserer Re-gion beschäftigen, recht häufig: Ramsauer haben die Geschichte des Oldenburger Landes sowohl geprägt als auch beschrieben. Helene Ramsauer (1905-2001), eine von vielen Mitgliedern der bekannten Pastorenfamilie aus der Wesermarsch, kann man objektiv in beide Kategorien einordnen, wobei ihr aktiver, also die Geschichte prägender Anteil mit deutlichem Vorsprung vor dem beschreibenden überwiegt. Denn die Beschreibung der Geschichte ihrer Heimatregion hat sich Helene Ramsauer nur einmal zur Aufgabe gemacht: Nämlich als Thema ihrer Doktorarbeit, mit der sie ihr gymnasiales Lehr-amtsstudium an der Universität Heidelberg abschloss. In dem Werk „Zur Wirtschaftsgeschichte der oldenburgischen Wesermarschen im Zeitalter des 30-jährigen Krieges“ beschäftigt sich Helene Ramsauer mit den ökonomischen Gegebenheiten des stark ländlich geprägten, aber ökonomisch erfolgreichen Landstrichs. Ihre Dissertation bleibt Ramsauers einziger Ausflug in die regionale Wirtschaftsgeschichte.
Helene Ramsauer wuchs in Rodenkirchen als Tochter des dortigen Pastors Wilhelm Ramsauer auf. Sie hatte noch drei jüngere Brüder. Nach dem Abitur studierte sie Religion, Geschichte und Englisch für das gymnasiale Lehramt. Der Abschluss des Studiums mit der Promotion ereignete sich kurz vor Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland, d.h. ihre frühen Berufsjahre als Lehrerin, die sie an der Mittelschule Hoya begann, fielen in diese Zeit. Im Jahre 1935 wurde Helene Ramsauer aufgefordert, in die NSDAP einzutreten. Dieser Forderung kam sie nach, weil sie sich dadurch bessere Chancen für eine Verbeamtung auf Lebenszeit erhoffte. Als ein Jahr später allen Parteigenossen untersagt wurde, im Religionsunterricht christliche Weihnachtslieder zu singen, ließ sie sich zunächst beurlauben und schließlich im Frühjahr 1939 zunächst aus dem Schuldienst entlassen. Allerdings trat sie im September desselben Jahres wieder eine Stelle an der Oberschule Eger im Sudetenlande an, das gerade dem Deutschen Reiche angegliedert worden war. Dies ging wohl nicht ohne Anpassung an das nationalsozialistische System, sodass diese Berufsphase Ramsauers ambivalent betrachtet werden muss. Hier erlebt sie Kriegsende und Vertreibung mit.
Ramsauer verschlug es nach der Vertreibung wieder bei ihrer Familie in Oldenburg, wo ihre Karriere als Hochschullehrerin beginnt. Die britische Militärregierung beschließt die Einrichtung einer pädagogischen Akademie, die die Lehrerbildung im Sinne der von den Besatzungsmächten forcierten „Reeducation“ auf eine neue Grundlage stellen möchte. Der neu eingesetzte Minister für Kirchen und Schulen des Landes Oldenburg, Fritz Kaester, attestiert Helene Ramsauer trotz ihrer NSDAP-Mitgliedschaft, „der nationalsozialistischen Weltanschauung innerlich fern“ zu sein.
Man erteilte Helene Ramsauer einen Lehrauftrag in Religion, Deutsch, Geschichte und Englisch. Später wird Helene Ramsauer Dozentin für Evangelische Theologie an der inzwischen in „Pädagogische Hochschule“ umbenannten Einrichtung. Die Ernennung zur Professorin für evangelische Religion im Jahre 1956 krönt ihre berufliche Laufbahn. Helene Ramsauer tritt 1973, also kurz vor der Gründung der Universität Oldenburg, in den Ruhestand.
Literatur über Helene Ramsauer (Auswahl):
- Bernhold, Ursula (Hrsg.): Frauenlexikon Wesermarsch, Oldenburg 2023, s.v.
- Günther-Arndt, Hilke: Lehrerbildung in Oldenburg 1945-1973. Von der Pädagogischen Akademie zur Universität (Geschichte der oldenburgischen Lehrerbildung, Bd. 3), Oldenburg 1991.
- Reents, Christine: Neubeginn zwischen Restauration, Unkirchlichkeit und Liberalität nach 1945. Ein Beitrag zur Geschichte der Religionspädagogik am Beispiel der ersten Frau auf dem Oldenburger Lehrstuhl „Evangelische Religion und Methodik des evangelischen Religionsunterrichts“, in: Oldenburger Jahrbuch 86 (1986), S. 187-194.
- Schirmer, Helmut: Anpassung und Selbstbehauptung. Helene Ramsauer – Oldenburgs erste Professorin. Eine biographische Nachlese, Oldenburg 2025.
- Pithan, Annebelle: Religionspädagoginnen des 20. Jahrhunderts, Göttingen 1997, s.v.