Hein Bredendiek (1906 – 2001) zählt zu den großen Figuren der niederdeutschen Literatur. Der Oldenburger Gymnasiallehrer, der aus Jever stammte, machte sich zunächst vor allem als Kunstmaler einen Namen. Zu Lebzeiten erhielt er hohe Auszeichnungen und Preise; die Stadt Jever verlieh ihm 1986 die Ehrenbürgerschaft, die Stadt Oldenburg das Große Stadtsiegel, und posthum erfolgten Straßenbenennungen nach ihm.
Bredendiek verfasste viele Hörspiele und war Autor zahlreicher Bücher und Erzählungen in niederdeutscher Sprache. Fünfundzwanzig Jahre lang führte er den Schrieverkring Weser-Ems. Auch der Nationalsozialismus spielte in seinen Texten hin und wieder eine Rolle; allerdings räumte er seine eigene Beteiligung erst im hohen Alter ein. In seinen Lebenserinnerungen, 1998 von der Oldenburgischen Landschaft veröffentlicht, gibt er an, Mitglied der NSDAP und sogar der paramilitärischen SA gewesen zu sein. Nicht lange davor noch hatte er in einem Interview eine Partei-Mitgliedschaft verneint. Das Eingeständnis in seiner Autobiografie erhielt nur wenig öffentliche Resonanz. Bis in die jüngste Zeit hinein wurde in ehrenden Rückblicken Bredendieks NS-Vergangenheit ausgespart. Dabei lassen Texte, davon einer aus der Nazizeit, der bisher unbeachtet blieb, deutliche Rückschlüsse auf seine Haltung zu.
Zum Verständnis des Vortrags sind keine Plattdeutsch-Kenntnisse erforderlich.
Andreas Wojak, geboren 1952, stammt aus Ostfriesland, ist plattdeutsch aufgewachsen und lebt in Oldenburg. Er ist promovierter Historiker, arbeitete u.a. in der Presseabteilung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und war freiberuflich als Journalist und Autor tätig, oft mit dem Schwerpunkt Regionalgeschichte in der NS-Zeit. Seine 1992 veröffentlichte sozialhistorische Dissertation über Moordorf in Ostfriesland erregte über die Region hinaus Aufsehen.
Wojak befasste sich mit dem Leeraner Auschwitz-Überlebenden Karl Polak, mit der aus Oldenburg stammenden jüdischen Emigrantin Charlotte Seeligmann sowie mit der Geschichte der Emslandlager. In seinem Projekt „Kriegsbriefe“ ging es auch um die Verstrickung seiner eigenen Familie in den Nationalsozialismus. Ein Vortrag Wojaks über die Ehrung eines ehemaligen SS-Mediziners 1976 durch die Ostfriesische Landschaft führte erst vor kurzem zur posthumen Aberkennung der „Ubbo-Emmius-Medaille“. Neben Hein Bredendiek hat sich Wojak mit weiteren niederdeutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern beschäftigt, so mit Wilhelmine Siefkes, Oswald Andrae, Johann Schoon und Greta Schoon.