Regionalbuch des Monats
Die Landesbibliothek Oldenburg präsentiert in einer Vitrine in der 2. Etage des Lern- und Informationszentrums (LIZ) zehn- bis zwölfmal im Jahr ein interessantes Buch aus der Region Oldenburg, vorwiegend aus ihrem Altbestand.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
In diesem Monat wird ausgestellt:
Stadt- und Land-Ruin
Oder: Kurtzer und Christlicher Unterricht von der Städte und Länder Verderben in einer Predigt an dem 10. Sonntage Trinit. in der kleinen Kirchen zu S. Nicol. nach dem grossen Brand in Oldenburg auf Begehren vorgestellet und endlich auf Anhalten zum Druck übergeben / von Eilhardo Thalen, Dazumahl Prediger im Kloster und Armen Hause zur Blanckenburg; Itzo aber zu Holle im Wüstenlande. - Oldenburg : Gedruckt durch Joh. Erich Zimmer, Im Jahre Christi 1678. - 44 Seiten. ; 8°
LBO: GE IX B 25 D,1
350 Jahre Stadtbrand Oldenburg
Am 27. Juli (jul.) / 6. August (greg.) 1676 ereignete sich die bisher größte Katastrophe, die sich in der Stadt Oldenburg jemals ereignet hatte: Ein schweres Unwetter überzog die Stadt; in drei Häuser schlug der Blitz ein. Es brach ein Feuer aus, das sich schnell fast in der gesamten inneren Stadt ausbreitete. Lediglich der östliche Teil der Innenstadt (Markt, Nikolaiviertel, Lambertikirche, Schloss) blieb weitgehend von den Flammen verschont.
Nachdem Stadt und Land Oldenburg durch die kluge Politik des Grafen Anton Günther vom Morden und Brandschatzen des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont blieben, wurde die Stadt nach dessen Tode 1667 gleich mehrfach vor harte Prüfungen gestellt: Noch im Todesjahre Anton Günthers brach in Oldenburg die Pest aus, an der ein Zehntel der Bevölke¬rung starb. Der Verlust der Residenz nach dem Erbgang an Dänemark zog bereits an sich einen schleichenden Prestige- und Wohlstandsverlust nach sich – mit der Folge, dass sich der Wiederaufbau der Stadt nach dem Feuer stark verzögerte. Der Wiederaufbau kam nur langsam voran. Es wurden Spenden gesammelt.
Der Oldenburger Lehrer und Regionalhistoriker Günter Wachtendorf hat in mühevoller Kleinarbeit zeitgenössische Akten und Protokolle ausgewertet, um die Höhe der Schäden und die Anzahl der ganz oder teilweise zerstörten Häuser zu beziffern. Demnach waren drei Viertel des Häuserbestandes ganz oder teilweise zerstört. Das Fachwerkhaus an der Ecke Markt/Kleine Kirchenstraße, das später nach einem seiner Besitzer im 19. Jahrhundert den Namen Degode-Haus erhielt, ist heute eines der wenigen heute noch erhaltenen Häuser, die vor 1676 errichtet wurden. Während die Lamberti- und Nikolaikirche unversehrt blieben, wurde die Kapelle des ehemaligen Heiligengeisthospitals, damals „Alte Kirche“ genannt, ein Opfer der Flammen. Lediglich ihr Turm blieb schwer beschädigt erhalten. Er erhielt 1709 ein haubenförmiges Dach und ist heute gemeinhin als „Lappan“ bekannt.
Eine so allumfassende Naturkatastrophe führte bei deren Augenzeugen zwangsläufig zu der Frage nach dem Warum. Die Oldenburger Geistlichkeit stellte den Stadtbrand als Rache Gottes für die Missachtung seiner Gebote durch liederlichen Lebenswandel dar. So schreibt es der Prediger Eilhard Thalen in seiner Schrift „Stadt und Land-Ruin“. Die kleine Schrift ist damit eher ein Zeugnis der frühneuzeitlichen Mentalitätsgeschichte als ein Bericht über die Geschehnisse rund um den Stadtbrand.
Da die Stadt Oldenburg von allen weiteren Naturkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen (abgesehen von einigen Einquartierungen während der Franzosenzeit und im Vergleich zu anderen Städten eher gering ausfallenden Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges) verschont geblieben ist, bleibt der Stadtbrand von 1676 die bisher verheerendste Katastrophe, welche die Stadt bisher überzogen hat. Hoffen wir, dass dies noch lange so bleibt!
Ein Digitalisat des Regionalbuchs finden Sie hier: https://digital.lb-oldenburg.de/urn/urn:nbn:de:gbv:45:1-1404585
Literatur:
Wachtendorf, Günter: Das göttliche Rachfeuer. Der Stadtbrand in der Stadt Oldenburg im Jahre 1676, in: Oldenburgische Familienkunde 34 (1992), H.1, S. 482-530.