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Regionalbuch des Monats

Die Landesbibliothek Oldenburg präsentiert in einer Vitrine in der 2. Etage des Lern- und Informationszentrums (LIZ) zehn- bis zwölfmal im Jahr ein interessantes Buch aus der Region Oldenburg, vorwiegend aus ihrem Altbestand.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Im Monat Juni wird ausgestellt:

Atlas zur Übersicht der Geschichte aller Europaeischen Länder und Staaten

von ihrer ersten Bevölkerung an bis zu den neuesten Zeiten zur Erleichterung der Verständlichkeit aller ältern und neuern Schriften, welche die Geschichte unsers Welttheils betreffen, und zum Gebrauch beym Unterrichte der studirenden Jugend. Nach den besten Quellen ausgearbeitet von Christian Kruse.

Dritte Ausgabe mit verbesserten Charten
Halle ; Leipzig, 1822
LBO: MB 2-2

Das neunzehnte Jahrhundert war geprägt vom wachsenden Bewusstsein der Menschen für ihre eigene Geschichtlichkeit. Während man unter dem Begriff „Geschichte“ noch nicht lange zuvor einen klar abgegrenzten, von der Gegenwart weit zurückliegenden Raum verstand, billigte man fortan jeder historischen Epoche zu, „gleich unmittelbar zu Gott“ (L. v. Ranke), d.h. von gleicher Wertigkeit, zu sein. Mit diesem Bewusstseinswandel ging ein Ausbau des schulischen und universitären Bildungswesens in der westlichen Welt einher. Im Geschichtsunterricht gewannen neben Darstellungen zunehmend Geschichtskarten an Bedeutung.

Im 19. Jahrhundert fand der „Atlas zur Uebersicht über die Geographie und Geschichte der Europäischen Staaten von ihrem Ursprunge an bis zum Jahre 1800 nach Christi Geburt“ von Christian Kruse (1753-1827) weite Verbreitung. Kruse stammte aus Hiddigwarden in der Wesermarsch und wuchs als Sohn eines Handwerkers in einfachen Verhältnissen auf. Früh wurde seine schulische Begabung erkannt, woraufhin man ihn an die Franckeschen Stiftungen nach Halle zum Erwerb höherer Bildung schickte. Nach seinem Studienabschluss an der Hallenser Universität kam er nach Oldenburg, wo er Lehrer an der dortigen Lateinschule wurde und sich dem Intellektuellenzirkel um Gerhard Anton von Halem anschloss. Zudem war er Erzieher der Söhne des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und wurde schließlich Professor für Historische Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig.

Kruses Atlas erschien erstmalig 1802 und erlebte mehrere Auflagen. Er enthält ausschließlich Karten, die ganz Europa abbilden. Auf Karten einzelner Länder wird bewusst verzichtet, da Kruse der Auffassung war, keines Landes Geschichte könne isoliert von seinen Nachbarn betrachtet werden. Die meisten Karten stellen jeweils den Stand eines glatten Jahrhundertjahrs dar – und nicht etwa historische Epochen. Ziel dieser Methode war offenbar eine größere Objektivität der Darstellung ohne Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Staaten. Kruses Atlas sollte etwa ein Dreivierteljahrhundert einer der am höchsten angesehenen und am weitesten verbreiteten Geschichtsatlanten im deutschsprachigen Raume bleiben.

Weiterführende Literatur (Auswahl):

  • Dörflinger, Johannes: Art. Geschichtskarte, in. Lexikon zur Geschichte der Kartographie von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, Wien 1986, S.265-268.
  • Ders.: Geschichtsatlanten vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, in: Wolff, Hans (Hrsg.): Vierhundert Jahre Mercator, vierhundert Jahre Atlas. „Die ganze Welt zwischen zwei Buchdeckeln“. Eine Geschichte der Atlanten, Weißenhorn 1995, S. 179-198.
  • Jansen, Günther: Aus vergangenen Tagen. Oldenburg’s literarische und gesellschaftliche Zustände während des Zeitraums von 1773 bis 1811, Oldenburg 1877, S. 60.
  • Klattenhoff, Klaus: Christian Kruse, in: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg, Oldenburg 1991, S. 397f.

Regionalbuch des Monats - Archiv

Stand: 19.07.2024