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Geschichte der LBO

Eine Bibliothek im Wandel – 1792 bis heute

„Herzogliche öffentliche Bibliothek“, das war der erste Name der heutigen Landesbibliothek Oldenburg. Im Jahre 1792 wurde sie gegründet. Das Land Oldenburg war 1773 nach 106-jähriger Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark als Herzogtum wieder selbstständig geworden. Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755-1829) verlegte die Residenz vom holsteinischen Eutin zurück in die Stadt Oldenburg. Die Neugründung einer zentralen Hof- und Regierungsbibliothek konnte nicht auf einem überlieferten historischen Bestand aufbauen. Die alte Gräflich-Oldenburgische Bibliothek war nach dem Tod des letzten Oldenburger Grafen Anton Günther (1583 - 1667) an seinen illegitimen Sohn Anton von Aldenburg (1633-1680) gefallen. Unter dessen Erben ging sie beim Schlossbrand in Varel 1751 mit wenigen Ausnahmen verloren.

Portrait von Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755-1829). ©

Als Grundstock der neuen Bibliothek hatte Herzog Peter Friedrich Ludwig die 22.000 Bände umfassende Privatbibliothek von Georg Friedrich Brandes (1719-1791), dem Universitätsreferenten der Hannoverschen Regierung, angekauft. Diese wurde 1792 im Oldenburger Schloss aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Brandes hatte eine enzyklopädisch angelegte Bibliothek zusammengetragen, deren Schwerpunkte in der Wissenschaftsgeschichte und in den Kulturwissenschaften, vor allem der Geschichte, der Altertumskunde und den Sprach- und Literaturwissenschaften lagen. Trotz ihres stark bibliophilen Charakters, der etwa in den reichgeschmückten Ledereinbänden und den zahlreichen prominenten Exlibris zum Ausdruck kommt, war der Bestand auf der Höhe seiner Zeit und sollte in Oldenburg auch so genutzt werden. „Erleichterung der Erwerbung nützlicher Kenntnisse und Verbreitung des guten Geschmacks“ war die vom Herzog formulierte Zweckbestimmung. Nicht höfischer Repräsentation sollte die Büchersammlung dienen, sondern war als wissenschaftliche Gebrauchsbibliothek für die Verwaltung und als frei zugängliche Bildungsbibliothek für das allgemeine Publikum bestimmt.

Porträt von Georg Friedrich Brandes. ©
Exlibris von Georg Friedrich Brandes. ©

Während der französischen Besetzung Oldenburgs von 1811 bis 1815 konnte die Bibliothek durch Auslagerung nach Bremen vor dem Zugriff der Besatzungstruppen geschützt werden. Die finanzielle Ausstattung in den folgenden Jahrzehnten war unzureichend und schwankend. Die Schwächen der Brandes-Sammlung wurden durch Ankäufe vornehmlich juristischer, theologischer, ökonomischer und medizinischer Literatur ausgeglichen.  Auch die Erwerbung von Literatur über das Land Oldenburg wurde gezielt betrieben. Die laufende Erwerbung von Einzeltiteln wurde ergänzt durch Ankäufe kompletter Privatbibliotheken sowie durch Verträge mit Lesezirkeln, die ihre Anschaffungen nach Ablauf des Turnus an die Bibliothek lieferten.

1846 erhielt die Bibliothek ein eigenes Gebäude. Die inzwischen 60.000 Bände wurden gruppensystematisch aufgestellt und erstmals durch einheitliche Kataloge alphabetisch und systematisch erschlossen. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierliche Entwicklung des Bestandes bei sinkendem Etat fand ihr Ende mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, mit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise. Auch goldene zwanziger Jahre gab es nicht.

Historisches Foto vom ehemaligen Standort der Landesbibliothek Oldenburg am Damm. ©
Historisches Foto vom Lesesaal am Damm. ©

Erst nach der Stabilisierung der Wirtschaft erholte sich der Etat, ohne dass sich das auf die Qualität des Bestandes auswirkte. Die Erwerbung geriet von der finanziellen in die ideologische Misere, bevorzugt wurde nationalsozialistische Literatur gekauft. Das seit 1933 geltende Pflichtexemplarrecht verschaffte der Bibliothek immerhin einen erheblichen Gewinn an Literatur aus dem Land Oldenburg. Vor allem die Zeitungssammlung profitierte davon. Bis heute fungiert die Landesbibliothek Oldenburg als Depositorium aller Zeitungen des oldenburgischen Raumes.

Seit den 1950er Jahren konnte der Bestand der Bibliothek beständig und mit wachsendem Etat ausgebaut werden.  Die Landesbibliothek Oldenburg ist heute eine wissenschaftliche Universalbibliothek mit regionalem Schwerpunkt, die auch den Angehörigen der Oldenburger Hochschulen zugute kommt, mit denen sie im Oldenburger ORBIS-Verbund zusammenarbeitet. Die Bestände sind im elektronischen ORBIS-Katalog und in den nationalen Verbundkatalogen nachgewiesen. Der Bestand ist auf knapp 1 Million Medieneinheiten angewachsen, darunter neben den gedruckten auch in immer größerem Umfang elektronische Medien.

Historisches Foto: Ein Mann steht zwischen aufgetürmten Büchern (Ofener Straße 1946) ©

Erstes Domizil der Herzoglichen öffentlichen Bibliothek war das Haus des Fürsten, das Oldenburger Schloss. Weitaus weniger repräsentativ ging es nach der französischen Besetzung Oldenburgs weiter. 1819 bezog die Bibliothek das alte Zuchthaus hinter dem Schloss, ein Provisorium von Beginn an. Erst der Einzug in den großzügigen Neubau am Damm beendete im Jahre 1847 die räumlichen Kalamitäten und eröffnete Perspektiven für die weitere Entwicklung. 1943 wurde das Gebäude der Bibliothek bei einem Luftangriff so schwer beschädigt, dass ihre damals 182.000 Bände in Notunterkünfte ausgelagert werden mussten. Die Kriegsverluste betrugen ca. 10.000 Bände. Erst 1946 war die Bibliothek mit dem Einzug in das alte Zeughaus der Oldenburger Artillerie an der Ofener Straße wieder benutzbar. 1987 zog sie an ihren heutigen Standort am Pferdemarkt um. Die 1902 errichtete Infanteriekaserne wurde nach modernen architektonischen Ansprüchen umgebaut und durch ein Magazingebäude ergänzt. Nach einem größeren Umbau im historischen Gebäude konnte 2017 das Lern- und Informationszentrum (LIZ) eröffnet werden, ein über drei Stockwerke sich erstreckender öffentlicher Bereich mit zeitgemäßer Ausstattung und vielfältigen Nutzungs- und Arbeitsmöglichkeiten.

Stadtansicht: Altes Zuchthaus hinter dem Schloss. ©
Blick auf Ebene 2 und 3 des Lern- und Informationszentrums. Ein Mann ist auf dem Weg zur Freitreppe, die von Ebene 2 auf Ebene 3 führt. ©
Stand: 19.07.2024