Von Hand geschöpft, gesetzt, gedruckt, gebunden. Ein Buch zum 111. Todestag von Christian Morgenstern.
Mein Morgenstern – 120 Hände und ein 111. Todestag: Beliebt und bekannt in typografischen Kreisen ist der Dichter Christian Morgenstern. Mit seinem »Spiel- und Ernst-Zeug« haben die beiden Vereinigungen »Verein für die Schwarze Kunst e. V.« und »Meister der Einbandkunst e. V.« mit Unterstützung der »Papiermühle Homburg« und der »Büchergilde Gutenberg« ein vielseitiges Buchkunstwerk zum 111. Todestag des Dichters entstehen lassen. Unter dem Stern der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit und dem immateriellen Kulturerbe wurde handgeschöpft, handgesetzt, handgedruckt und handgebunden.
Die Arbeiten sind vom 26. September bis zum 30. Oktober 2026 im Kabinett der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen. Es gibt detaillierte Einblicke in den Entstehungsprozess. Eröffnet wird die Ausstellung am 25.09. um 17.30 Uhr.
„Erhalten durch Machen“ lautet das Motto, unter dem sich der Verein für die Schwarze Kunst e. V. (VschwK) und die Meister der Einbandkunst – Internationale Vereinigung e. V. (MDE) mit Unterstützung der Papiermühle Homburg und der Büchergilde Gutenberg zusammengetan haben, um die Handwerkskünste der Papierherstellung, des Handsatzes, des Buchdrucks und des Buchbindens zu bewahren und zu stärken: Künstlerische Drucktechniken sind seit 2018, das Buchbinderhandwerk seit 2021 bundesweit als immaterielles Kulturerbe anerkannt. In zweijähriger Projektkooperation ist ein vielseitiges Buchkunstwerk zum 111. Todestag des in typografischen Kreisen beliebten und bekannten Dichters Christian Morgenstern entstanden.
Ausgestellt werden 44 Druckgrafiken von 29 vorwiegend jungen Nachwuchsdesigner:innen – Interpretationen von Morgensterns „Spiel- und Ernst-Zeug“. Zusätzlich werden die Druckgrafiken im gebundenen Buch gezeigt – in 22 verschiedenen Varianten, gebunden von 22 Einbandschaffenden. Die Werke sind „from scratch“ entstanden und wurden in Eigenregie handgeschöpft, handgesetzt, handgedruckt und handgebunden.
Das Papier haben die aktuellen und ehemaligen Stipendiat:innen des VschwK unter Anleitung von Johannes Follmer in der Papiermühle Homburg von Hand geschöpft, gegautscht und getrocknet: 4.000 Bögen Papier sind das Ergebnis von 40 kg Baumwolle, Hand und Leim, 25 Holländer-Mahlvorgängen und vier Arbeitswochen. Neun Setzereien haben sich am Entstehungsprozess beteiligt und zeitgenössische Schrifttypen zur Verfügung gestellt. Im Handsatz, Holzstich und Linolschnitt wurden Morgensterns Gedichte künstlerisch interpretiert, bevor sie an alten Pressen gedruckt und durch Mitglieder des MDE hochwertig gebunden wurden.
Als „Feuerwerk der Einbandkunst“ bezeichnet Buchbindermeisterin und Mitorganisatorin Theresa Wedemeyer (MDE) die Ausstellung, die zuletzt im Gutenberg-Carré in Mainz präsentiert wurde und aktuell auch in kleinerer Version in Mosbach zu sehen ist. Entstanden sind 22 Einbandfamilien, bestehend aus je einem Kunsteinband und der dazugehörigen einfacheren Kleinserie von 8 Exemplaren. Die 22 unikalen Handeinbände seien quasi die „Haute Couture“ der Ausstellung, so Wedemeyer. 111 „Prêt-à-porter“-Stücke würden zudem exklusiv über die Büchergilde Gutenberg vertrieben.