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Faszinierende Bücherporträts bereichern die Bibliothek

Dank der tatkräftigen Unterstützung mehrerer Förderer kann die Landesbibliothek Oldenburg zwei Bilder des Frankfurter Künstlers Hannes Möller für eine fünfstellige Summe ankaufen.


Es sind monumentale Porträts von alten Büchern, die die Spuren ihrer Geschichte buchstäblich auf dem Rücken tragen. Die Motive fand der Künstler unter Tausenden historischer Werke in den Magazinen der Landesbibliothek. Möller schuf in raffinierter Mischtechnik zwei detailliert gemalte, faszinierende Bücherporträts – eines davon ein großformatiger „Solitaire“. Die Oldenburger Bilder sind einzigartig und zugleich Teil des europaweiten „Bibliotheken-Projekts“ des Künstlers.

„Solitaire XXII“ tritt dem Betrachter in Lebensgröße gegenüber. Es handelt sich um eine 149 x 44 cm große Arbeit auf Papier, gemalt in Aquarell- und Mischtechnik. Das Bild zeigt den Rücken eines alten Buches. Der schmale Band ist in eine mittelalterliche Pergamenthandschrift eingebunden, die eine schön verzierte Initiale und Schriftzeichen erkennen lässt. Das Buch ist aber stark beschädigt, das Pergament bereits aufgeplatzt, sodass darunterliegende bläuliche Schichten sichtbar werden. In monumentaler Größe und mit feinstem Pinsel gemalt, scheint das Buch in leuchtenden Farben auf dem tiefschwarzen Hintergrund geheimnisvoll im Raum zu schweben. Das Buch auf dem zweiten, kleineren Gemälde schimmert golden, ist aber mit einem blauen Band fest verschnürt. Es gibt keinen Hinweis darauf, was darin zu lesen ist. 

„Meine Bücher kann man nicht in die Hand nehmen, nicht öffnen oder lesen. So bewahren sie ihr Geheimnis. Doch man kann sich ihnen zuwenden. Sie erwidern den Betrachterblick wie ein Portrait, dessen Blick dem Gegenüber folgt. Meine Gemälde sind Portraits von Büchern,“ beschreibt Hannes Möller sein künstlerisches Konzept.

„Dass die Gemälde aus der Landesbibliothek Oldenburg heute in einer Reihe mit Charakterbildern anderer Bücher aus ganz Europa stehen, ist eine große Ehre“, freut sich Bibliotheksleiterin Corinna Roeder. „Begeistert hat uns alle die geheimnisvolle Tiefe dieser Gemälde, die Verletzlichkeit und überraschende Schönheit der alten Bücher. Das kann nur Kunst sichtbar machen.“ 

Roeder dankte allen Förderern – der Kulturstiftung der Öffentlichen Oldenburg, der Regionalen Stiftung der LzO, Herrn Uwe Roeder als Privatspender und der Oldenburgischen Bibliotheksgesellschaft – für ihre großzügige Unterstützung. So können die Gemälde künftig in der Landesbibliothek Oldenburg bleiben und als „Türhüter“ im Foyer alle Besucherinnen und Besucher auf die unsichtbaren Bücherschätze hinweisen, die die Landesbibliothek in ihrem Inneren beherbergt. 

Hannes Möller, geboren in Dinklage, studierte an der Kunstschule Westend in Frankfurt am Main Grafikdesign mit den Schwerpunkten Freie Malerei, Zeichnung und Illustration. Seit 1980 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in der Nähe von Frankfurt. Von 2019 bis 2024 war er außerdem Lehrbeauftragter an der HAWK Hildesheim. 1994 schuf Möller den Grafikzyklus „Totenhaus“ nach den „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ von Dostojewskij und der Janáček-Oper „Aus einem Totenhaus“. 1996 wurde das Graphische Kabinett im Landesmuseum Oldenburg mit einer Ausstellung des „Totenhaus“-Zyklus eröffnet. Seit 2007 liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf dem „Bibliotheken-Projekt“. Dafür besucht Hannes Möller Bibliotheken mit historischen Beständen in ganz Deutschland und Europa und findet dort außergewöhnliche Schätze. Sie sind für den Künstler Ausgangspunkt für großformatige, detailliert gemalten Papierarbeiten. Seine Arbeiten präsentierte er in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.

Die Ausstellung „Hannes Möller – Solitaire“ war vom 27.2. bis 25.4.2026 in der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen.

Originaleinbände aus dem Bestand der Landesbibliothek

Die Vorlage für Hannes Möllers Arbeiten: Original-Einbände mit Beschädigungen und Gebrauchsspuren im Bestand der Landesbibliothek Oldenburg. Foto: Annika Östreicher.

Gemälde von Hannes Möller im Ausstellungsbereich der Landesbibliothek Oldenburg

Das fertige Kunstwerk: „Solitaire XXII“ im Ausstellungsbereich der Landesbibliothek Oldenburg. Foto: Frauke Proschek.

Stand: 05.10.2026