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Regionalbuch des Monats Mai 2026

Ju Seelter Kroune / Gesina Lechte-Siemer. - Rhauderfehn : Ostendorp Verlag, 1977. - 124 Seiten. - Illustrationen. - ISBN 3-921516-18-8
LBO: 78-0572

 

„Ju Seelter Kroune“ – „die Krone des Saterlands“ heißt der Titel eines Gedicht-bandes der Dichterin Gesina Lechte-Siemer (1911-2007) aus Ramsloh im Saterland. Die „Krone des Saterlands“ ist die saterfrie-sische Sprache gemeint – das Überbleibsel der ostfriesischen Sprache, die einst von der Emsmündung bis fast nach Cuxhaven gesprochen wurde. Saterfriesisch wird heute noch in den drei Kerndörfern der Gemeinde Saterland (Ramsloh, Scharrel und Strücklingen) gesprochen und bildet damit die kleinste Sprachinsel Europas. Aufgrund der geringen Sprecheranzahl wurde Saterfriesisch erst im 20. Jahrhundert zur Schriftsprache und hat nur sehr wenige Autoren hervorgebracht, denen die Bezeichnung „Dichter“ gebührt. Gesina Lechte-Siemer kann man mit Fug und Recht als Dichterin bezeichnen. Themen aus dem Alltag der ländlichen Bevölkerung sowie religiöse Themen nehmen einen breiten Raum in „Ju Seelter Kroune“ sowie allgemein im dichterischen Schaffen Lechte-Siemers ein. Auch die saterfriesische Sprache selbst wird oft in den Gedichten behandelt.

Das Saterfriesische ist eine Variante des Friesischen, das neben dem Hoch- und Niederdeutschen, dem Niederländischen, Englischen und den skandinavischen Sprachen einen eigenen Sprachzweig innerhalb der germanischen Sprachen bildet. Weitere Varianten werden im niederländischen Westfriesland und im Kreis Nordfriesland (Schleswig-Holstein) gesprochen; innerhalb Nordfrieslands bestehen mit dem Insel- und Festlandfriesischen mindestens zwei Varianten nebeneinander, die jedoch untereinander nicht uneingeschränkt verständlich sind. Es gibt zwar zahlreiche Überschneidungen zum benachbarten Niederdeutschen und Niederländischen, jedoch hat das Friesische zahlreiche Eigenarten in Wortschatz, Lautstand und Grammatik, die es von den übrigen germanischen Sprachen unterscheiden:

-    Friesisch behält den urgermanischen Lautstand -ks- bei, während das umliegende Niederdeutsch zu -ss- assimiliert: Ndt. „wassen“ (wachsen) steht saterfr. „woaksje“ gegenüber. 
-    Im Indikativ Präsens gibt es separate Endungen nur für die 2. und 3. Person Singular; alle übrigen Präsensformen sind gleich dem Infinitiv (iek sjo, du sjuchst, hie/ju sjucht, wie sjo, jie sjo, jo sjo)
-    Es gibt zwei Verbklassen, eine mit und eine ohne die Stammerweiterung -j-
-    Es gibt zwei Infinitive, einen auf -e und einen auf -n, deren Verwendung syntaktisch definiert ist

Die kulturelle und sprachliche Sonderstellung des Saterlandes hat seit dem 18. Jahrhundert das Interesse zahlreicher Wissenschaftler geweckt. Als Sprache mit einer außergewöhnlich geringen Sprecherzahl war und ist das Saterfriesische in seiner Existenz erheblich bedroht. Dr. Marron Curtis Fort (1938-2019), Wissenschaftler an der Universität Oldenburg, hat sich um die Dokumentation und wissenschaftliche Erschließung des Saterfriesischen nachhaltige Verdienste erworben. Seit einigen Jahren gibt es eine Fachstelle für Saterfriesisch, die bei der Oldenburgischen Landschaft bzw. der Gemeinde Saterland angesiedelt ist.

Informationen über das Engagement für das Saterfriesische finden Sie hier:

www. seeltersk.de
www.seelterbuund.de

 

Stand: 15.05.2026