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Prof. Dr. Doreen Brandt: Literatur ohne Schriftkultur.

Einblicke in die Literaturgeschichte der Regionalsprache Niederdeutsch im 17. und 18. Jahrhundert gibt Doreen Brandt (Uni Oldenburg) im Rahmen der Wanderausstellung „Was heißt hier Minderheit?“


Im 14. und 15. Jahrhundert war die niederdeutsche Sprache für alle Bereiche der Literatur selbstverständlich in Gebrauch – im niederdeutschen Sprachraum und darüber hinaus. Aber im 16. und 17. Jahrhundert änderte sich dies gravierend, nämlich mit der allmählichen Übernahme des Hochdeutschen im niederdeutschen Sprachraum für die schriftsprachliche Kommunikation. Erst im 19. Jahrhundert kehrte die niederdeutsche Sprache vermehrt in die Literatur zurück. Zugespitzt lässt sich deshalb von der Schriftlosigkeit der niederdeutschen Sprache im Zeitraum von etwa 1650 bis 1800 sprechen. Doch das stimmt nur bedingt. Denn auch in dieser ‚schriftlosen‘ Phase hat niederdeutsche Literatur existiert – wenn ihr Anteil an der gesamtdeutschen Buchproduktion auch verschwindend gering war. Gut die Hälfte dieser Literatur waren Hochzeitsgedichte. Diese Gelegenheitsgedichte aus Anlass von Hochzeiten, die in den norddeutschen Städten gefeiert wurden, stehen für die niederdeutsche Literatur ohne Schriftkultur im 17. und 18. Jahrhundert. Sie werden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt an der Universität Oldenburg erforscht. Der Vortrag gibt am Beispiel eines niederdeutschen Hochzeitsgedichts aus Bremen von 1706 einen Einblick in die Literatur ohne Schriftkultur und in das Projektvorhaben.

Prof. Dr. Doreen Brandt ist Juniorprofessorin für niederdeutsche Literatur in historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Sie studierte Geschichte und Germanistik in Rostock, wo sie auch promoviert wurde. Prof. Brandt forscht und lehrt zur niederdeutschen Literatur vom 13. bis 21. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit ist auf die Sprachlichkeit und Sprachthematisierung gerichtet, wo die niederdeutsche Sprache in die Schriftlichkeit gelangt und poetisch-literarisch produktiv gemacht wird.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „Was heißt hier Minderheit?“ statt, die noch bis einschließlich 27. Juni in der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen ist.

Doreen Brandt

© Daniel Schmidt

Stand: 13.07.2026