Grausame Verbrechen, schreckliche Katastrophen oder tragische Liebesgeschichten: Von solchen ‚merkwürdigen‘ Begebenheiten erzählen Texte, die im 19. Jahrhundert massenhaft verbreitet waren, heute allerdings nahezu unbekannt sind. Diese Texte erreichten auch Menschen, die sonst kaum mit Literatur in Berührung kamen, etwa Dienstmädchen und Handwerker. Verkauft wurden sie in Form von preiswerten Kleindrucken auf Jahrmärkten und Volksfesten, in der Regel begleitet mit Gesang, Musik und visuellen Hilfsmitteln. Weil die Verkäufer*innen sich dabei manchmal erhöht positionierten, nennt man sie auch ‚Bänkelsänger‘. Im Begriff ‚Kolportage‘, der alle Formen des ortsunabhängigen Buchhandels meint, kommt dagegen die Mobilität dieser Händler und ihrer Texte zum Ausdruck.
Mit rund 200 Exponaten macht die Ausstellung eine vergessene Form von Unterhaltungsliteratur wieder lebendig. Sinnlich erfahrbar wird diese Literatur mit originalen und reproduzierten Bildtafeln des 19. Jahrhunderts, Tonaufnahmen von Deutschlands ‚letztem Bänkelsänger‘ sowie einer Druckstation, an der sich Kleindrucke herstellen lassen. So gelangen die Oldenburger Jahrmarktdrucke aus dem Archiv wieder dorthin, wo sie ihren eigentlichen Ort hatten: in die Öffentlichkeit.
Kuratiert wird die Ausstellung von PD Dr. Christian Schmitt (Institut für Germanistik der Uni Oldenburg), mit dem die Landesbibliothek Oldenburg im Forschungsprojekt „Kolportageliteratur: Oldenburger Jahrmarktdrucke des 19. Jahrhunderts im kulturellen & medialen Kontext“ zusammenarbeitet.