Der Ausschuss für Haushalt und Finanzen des Niedersächsischen Landtags hat in seiner heutigen Sitzung dafür grünes Licht gegeben. In dem mit rund 21,2 Mio. Euro veranschlagten Erweiterungsbau sollen 480.000 Bücher und die Restaurierungswerkstätten Platz finden. Unter optimalen klimatischen, sicherheitstechnischen und energetischen Bedingungen wird dort der kostbare historische Buchbestand der Landesbibliothek untergebracht. Der Neubau soll außerdem den zusätzlichen Raumbedarf der Landesbibliothek für die nächsten 30 Jahre decken. Insgesamt besitzt die Landesbibliothek Oldenburg bereits heute mehr als 1 Mio. gedruckte und elektronische Medien.
„Mit der Erweiterung der Magazinflächen schaffen wir einen zeitgemäßen Schutzraum für Oldenburgs schriftliches Kulturerbe“, sagt Wissenschaftsminister Falko Mohrs. „Die Landesbibliothek Oldenburg bewahrt einzigartige Bestände, die für Forschung, Wissenschaft und die kulturelle Identität unseres Landes von unschätzbarem Wert sind, ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der kürzlich erschiene wissenschaftliche Katalog der Aldinensammlung. Der Neubau stellt sicher, dass diese Schätze auch für kommende Generationen sicher gelagert sind und zugänglich bleiben. Das ist eine Investition in Wissen, Geschichte und Zukunft.“
„Für eine zukunftsfähige Infrastruktur der Landesbibliothek Oldenburg ist der Erweiterungsbau von entscheidender Bedeutung“, betont Bibliotheksleiterin Corinna Roeder. „Die Bewahrung der historischen Bücher im Original, ihre fachgerechte Restaurierung und ihre weltweite Zugänglichkeit über Digitalisierung gehören zusammen“, so Roeder. „In dem neuen Gebäude haben wir erstmals die Möglichkeit, den umfangreichen historischen Altbestand unter optimalen klimatischen Bedingungen zu lagern und Erhaltungsmaßnahmen für besonders gefährdete Bücher in der angeschlossenen Buchbinderei und der Restaurierungswerkstatt direkt durchzuführen. Auch die in den letzten Jahren stark ausgebaute Digitalisierungswerkstatt befindet sich in unmittelbarer Nähe, um einzelne Werke schonend zu digitalisieren. Schon heute eröffnen die Digitalen Sammlungen der Landesbibliothek im Internet freien Zugang zu über 1,6 Mio. digitalisierten Seiten unserer historischen Bestände.“
Die Landesbibliothek Oldenburg ist seit 1987 in der ehemaligen denkmalgeschützten Infanteriekaserne (Baujahr 1902) am Pferdemarkt in der Innenstadt von Oldenburg untergebracht. Das für 570.000 Bücher ausgelegte Gebäude beherbergt heute mehr als 750.000 Bände – teils in ungeeigneten Räumen. Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus können auch Bestände, die derzeit in einer angemieteten Halle am Stadtrand ausgelagert sind, zurückkehren. Benutzerservice, Personal- und Kosteneffizienz werden sich durch die Konzentration am zentralen Standort verbessern.
Den Entwurf für den Erweiterungsbau hat das Bremer Büro Haslop, Kruse und Partner Architekten erstellt. Umgesetzt wird das Bauprojekt unter der Federführung des Staatlichen Baumanagements Region Nord-West. Die Bestandsgebäude der Landesbibliothek werden – abgestimmt mit der Denkmalpflege - im Innenhof um einen 6-geschossigen kompakten Baukörper mit insgesamt 2.186 m² Nutzfläche erweitert.
Im neuen Erweiterungsbau sind im Erdgeschoss Werkstätten für Restaurierung und Buchbinderei, Verwaltungsräume, Nebenräume und Technikflächen vorgesehen. Die Magazinflächen sind in den darüberliegenden Geschossen angeordnet. In den ersten beiden Geschossen können 335.000 neuere Bücher in Rollregalanlagen, im 3. und 4. Obergeschoss der 144.000 Bände umfassende Altbestand in Standregalen untergebracht werden. Das 5. Obergeschoss dient ausschließlich der Unterbringung der Lüftungszentralen für die vorgesehene Klimatisierung des Gebäudes. Die Wärmeerzeugung erfolgt mittels Wärmepumpen ohne fossile Energieträger. Die Dachflächen der Gebäude werden großflächig mit PV-Anlagen ausgestattet.
Der Erweiterungsbau wird in Massivbauweise mit Spannbetonhohldielen, Verbundträgern sowie Stahlbetonstützen errichtet. Die Gebäudehülle wurde als hinterlüftete vorgehängte Ziegelfassade geplant. Die Fenster und Außentüren sind aus bronzefarbenen eloxierten Alu-Profilen.
Mit einer Fertigstellung des Erweiterungsbaus ist vermutlich 2030 zu rechnen.