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Regionalbuch des Monats März 2026

Luise

: ein ländliches Gedicht in drei Idyllen / von Johann Heinrich Voß. - Ausgabe letzter Hand. - Leipzig : Verlag von Immanuel Müller, 1837. - 215 Seiten, 4 Illustrationen (Stahlstiche).
LBO: SPR XIII 4 C 1672
 

Eutins Gelehrter und Dichter: Johann Heinrich Voß

Den Vater Eutins und einen Ermunterer nennt der Philologe Johann Heinrich Voß den Herzog von Oldenburg Peter Friedrich Ludwig in der Widmung der vorliegenden Ausgabe der Luise. Voß ist vor allem für die Übersetzung der Epen Homers, der Ilias und der Odyssee, sowie der ersten deutschen Übersetzung der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht bekannt. Die Verbindung des Gelehrten und dem Herzog Peter Friedrich Ludwig sind vielfältig. Voß, der sich zwischen den Jahren 1782 und 1802 als Rektor des Gymnasiums in Eutin aufhielt, wurde von dem Herzog finanziell gefördert. Es herrschte nicht nur eine geistige Nähe zwischen den beiden Persönlichkeiten; der Herzog verfolgte mit dem Kontakt zu Voß auch die Strategie, als gelehrter Herrscher wahrgenommen zu werden. 
Eutin erlebte am Ende des 18. Jahrhunderts als Zentrum der Gelehrsamkeit eine Blütezeit, die sich unter anderem auf die Freundschaft zwischen Johann Heinrich Voß, Friedrich Leopold Graf zu Stolberg und Friedrich Heinrich Jacobi zurückführen lässt. Gemeinsam pflegten sie Kontakte zu einer Gruppe von Gelehrten dieser Zeit, die auch unter dem Namen Eutiner Kreis bekannt sind. Aus dieser Zeit, für Voß die produktivste Zeit seiner Karriere, stammt auch das ausgestellte Gedicht Luise. 
Die Luise gilt als das wichtigste poetische und im 19. Jahrhundert berühmteste Werk von Johann Heinrich Voß. Der Erfolg begründet sich in der Darstellung einer idealen bürgerlichen Welt, die mit den Tugenden eines christlichen und patriarchischen Familien- und einem harmonischen Zusammenleben versehen ist. Die Luise galt als fester Bestandteil des bürgerlichen Bildungskanons und wurde  ins Englische und Niederländische übersetzt. 
Die Handlung der Luise, ein Gedicht in drei Idyllen, setzt am 18. Geburtstag von Luise Blume bei einem Picknick am See ein. Das beschauliche Pfarrhaus von Grünau ist Schauplatz der Handlung, in der die Jugendliebe Luises Arnold Ludwig Walter nicht nur als Gast bei der Geburtstagsfeier beiwohnt, sondern auch nach Abschluss seiner Pfarrausbildung als Bräutigam zu Luise zurückkehrt. Das Gedicht endet mit einer Hochzeit am Vorabend des eigentlichen Hochzeitstages, da die Schönheit Luises im Brautkleid den Vater dazu bewegt, seine Tochter nur mit Unterstützung einer lutherischen Bibel direkt vor Ort zu trauen.
Das Gedicht erschien ursprünglich in drei Teilen: 1783 erschien im Musenalmanach, den Voß herausgab, die Idylle Des Bräutigams Besuch, die später den zweiten Teil des Gedichtes darstellen sollte. Bereits im Jahr darauf erschien außerdem Luise, die in der Gesamtausgabe als erste Idylle Das Fest im Walde geführt wird. Im Teutschen Merkur erschien zudem im gleichen Jahr mit Luise. An Schulz der dritte Teil des Gedichtes Der Brautabend. Erst 1795 kam es zu einer gemeinsamen Ausgabe der Idyllen, die in den Jahren 1807 und 1823 überarbeitet wurde. 
Die Luise von Voß ist in Hexametern verfasst und besitzt wichtige sprachliche Stilmerkmale Homers, die auf seine Tätigkeit als Übersetzer altgriechischer Epen verweisen. Das Werk diente Goethe als Inspiration für die Idylle Hermann und Dorothea. Die Gattung Idylle geht auf den altgriechischen Dichter Theokrit zurück. Im 18. Jahrhundert diente sie der Darstellung des romantisierten ländlichen Lebens von Hirten. Davon grenzt sich die Idylle des späten 18. Jahrhunderts ab, da die Handlung unter Menschen und Zuständen der Gegenwart spielt. 
Voß wurde am 20. Februar 1751 in Sommerstorf bei Waren in Mecklenburg geboren als Kind eines ehemaligen Kammerdieners und Sekretärs des Lübecker Domherrn von Witzendorf. Die Familie wurde in Penzlin ansässig und verarmte mit dem Ende des 7-jährigen Krieges. Dank finanzieller Unterstützung konnte Voß von 1759 bis 1765 die weiterführende Lateinschule in Neubrandenburg besuchen. Da ihm die finanziellen Mittel für ein Studium fehlten, nahm er ein Angebot als Hauslehrer in Ankershagen an. 1772 ermöglichte ihm der Gründer des Göttinger Musenalmanachs Heinrich Christian Boie ein Studium in Evangelischer Theologie, Philologie und Gräzistik an der Georg-August-Universität Göttingen. Zwei Jahre später übernahm er die Redaktion des Musenalmanachs von Boie. Nach dem Abbruch seines Studiums zog er nach Wandsbeck und heiratete 1777 Ernestine, die Schwester von Heinrich Christian Boie. Im Jahr darauf erhielt er eine Stelle als Rektor der Lateinschule Otterndorf. 
Anschließend übernahm er eine Anstellung am Gymnasium in Eutin, die er bis 1802 innehatte. Er begab sich danach in den Ruhestand und verweilte die nachfolgenden Jahre in Jena, wo er einen intensiven Kontakt zu Goethe pflegte. Im Jahr 1806 folgte er dem Ruf an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. In den Jahre 1808 und 1814 wurde er in die Bayrische und Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Voß verstarb am 28. März 1826. Der Nachruf seiner Familie wird mit den Worten „Wo, was menschlich erwuchs, göttlicher blühet und reift.“ unterzeichnet – ein Zitat aus der Widmung an Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg. 

Sekundärliteratur aus der LBO
1)    Lebens- und Werkgeschichte, Zusätzlich Einblicke zu persönlichen Beziehungen, u.a. zum Herzog Oldenburg und Goethe
Voss-Studien : Beiträge zum Wirken und zum Netzwerk von Johann Heinrich Voß
Frank Baudach ; Wolf Thomas Trüter
Eutin: Eutiner Landesbibliothek, 2024
24-8236

2)    Biografie und kulturhistorische Annäherung
Johann Heinrich Voß
Kerstin Schwerin
1. Aufl., Hannover: Wehrhahn, 2013  
14 0159

3)    Ausstellungskatalog der Eutiner Landesbibliothek
"Ein Mann wie Voß ..." : Ausstellung der Eutiner Landesbibliothek, des Gleimhauses Halberstadt und der Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft zum 250. Geburtstag von Johann Heinrich Voß 2001
Frank Baudach; Ute Pott
Zweite, korrigierte und überarbeitete Auflage, Eutin: Eutiner Landesbibliothek, 2020
20 8047

4)    Einzelaufstellung von Werken, mit Ausblicken auf Biografie
Johann Heinrich Voss : 1751 - 1826 ; Idylle, Polemik und Wohllaut
Elmar Mittler; Inka Tappenbeck
Göttingen: Niedersächsische Staats- und Univ.-Bibliothek, 2001
ZS 5726:18
 

Stand: 27.04.2026