Suche

      Schriftgröße anpassen A A A

Veröffentlicht: Katalog von kostbaren Büchern der venezianischen Renaissance

Über 5 Jahre hat der Bonner Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Detlef Haberland am „Katalog der Drucke des Aldus Manutius und seiner Nachfolger in der Landesbibliothek Oldenburg“ gearbeitet und darin 275 kostbare Bücher aus der Renaissance erstmals wissenschaftlich beschrieben und untersucht.


Der italienische Humanist Aldus Manutius gründete 1495 in Venedig einen Verlag, der sich besonders den Texten griechischer und römischer Autoren widmete. Seine Bücher, Aldinen genannt, wurden wegen ihrer herausragenden philologischen Qualität schon im 16. Jahrhundert hoch geschätzt und setzten auch in Typographie und Gestaltung neue Maßstäbe. 

Mit einer Festveranstaltung am 18. Februar stellte die Landesbibliothek diesen lange verborgenen Schatz nun der Öffentlichkeit vor. In seinem Vortrag führte Detlef Haberland das Publikum 500 Jahre zurück in die Entstehungszeit der Bücher und beleuchtete auch die Motive des gebildeten und bibliophilen Beamten Georg Friedrich Brandes, der sie im 18. Jahrhundert sammelte und 1790 nach Oldenburg verkaufte. Was Ledereinbände und handschriftliche Eintragungen über das individuelle Schicksal einzelnen Bände verraten können, zeigte der Historiker Dr. Matthias Bley detektivisch auf. Das Oldenburger Vokalensemble „vox avis“ gestaltete den stimmungsvollen Abend musikalisch und begeisterte mit Werken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

„Historische Kulturschätze – seien es Bücher oder andere Objekte – können nur für die Forschung fruchtbar werden, wenn sie wissenschaftlich erschlossen und öffentlich sichtbar gemacht werden,“ betonte Anna Teschner, Referatsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK). „Dabei ist die digitale Sichtbarkeit und Verfügbarkeit im Internet heute von höchster Bedeutung für eine breite Rezeption. Ich freue mich daher sehr, dass die Förderung im Rahmen von zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Förderprogramm des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen und der Volkswagenstiftung, dazu beitragen konnte, diesen Schatz nicht nur zu heben, sondern ihn als Open-Access-Publikation weltweit kostenfrei allen Interessierten zur Verfügung zu stellen.“

Eine spektakuläre Entdeckung des Forschungsprojekts von Detlef Haberland erregte schon 2022 internationales Aufsehen: Es handelt sich um eine von Albrecht Dürer (1471–1528) eigenhändig gemalte Miniatur auf dem Titelblatt eines Buches. Dieses und weitere ausgewählte Bände der Aldinensammlung sind bis zum 21.3.2026 in einer Kabinettausstellung in der Landesbibliothek zu sehen.

»Von iedem Meister ein paar Stücke heißet es für eine Bibliothek nichts«.
Katalog der Drucke des Aldus Manutius und seiner Nachfolger in der Landesbibliothek
Oldenburg. Bearbeitet und herausgegeben von Detlef Haberland mit Beiträgen von Matthias
Bley und Astrid Steiner-Weber, Baden-Baden: Olms, 2025. 455 S., zahlr. Ill.

ISBN 978-3-487-17179-1 (Print) 

ISBN 978-3-487-17180-7 (ePDF)
DOI: https://doi.org/10.5771/9783487171807

Stand: 24.02.2026